Pausenverhalten

Fr, 21. Jänner 2022 14:44 Uhr
von Martin Pauer

beim Seitenwechsel

In unserer ersten Ausgabe haben wir uns mit den Pausenroutinen von Tennisspieler*innen während eines Wettkampfs beschäftigt. Dabei haben wir uns mit der Steuerung des Pausenverhaltens zwischen Ballwechseln und der Erhaltung der optimalen Leistungsbereitschaft während eines Aufschlagspiels auseinandergesetzt. In der heutigen Ausgabe wenden wir uns der Steuerung des Pausenverhaltens bei Seitenwechseln zu. Dabei liegt das Hauptaugenmerk vor allem auf der Erholung und Wiederherstellung der optimalen Leistungsbereitschaft.

Häufig kommt es bei Tennisspieler*innen mit Fortdauer eines Matches infolge eines Konzentrations- und Spannungsverlusts zu einem Leistungseinbruch. Ein Tennismatch erfordert schließlich nicht nur ein hohes Maß an Konzentration, sondern kann unter Umständen auch sehr lange dauern. Bei Turnieren steht eventuell noch ein weiteres Match am Tagesprogramm. Umso wichtiger ist es sich bei den Seitenwechseln und in der Satzpause optimal zu erholen. Machen Sie sich aber auch wieder rechtzeitig leistungsbereit!

Steuerung des Pausenverhaltens bei Seitenwechseln (Dauer: 90 sec.)

Phase 1: Reaktion und Verarbeitung (5-8 sec.)

Phase 2: Entspannung und Analyse (40-60 sec.)

Phase 3: Aktivierung und Vorbereitung (15-20 sec.)

Phase 4: Konzentration und Fokussierung (5-8 sec.)

TIPP: Routinecheck beim Seitenwechsel mittels Ampel-Strategie
ROT: Stopp! – Check nach innen
GELB: Look! – Check nach außen
GRÜN: Go! – Ready

Übung

Phase 1: Reaktion und Verarbeitung
Signalisiere die Beendigung des Games mittels entschiedener Bewegung und positivem körperlichen Zuspruch. Hol dir dein Handtuch, das du zuvor vielleicht als Ruheanker in den Zaun gehängt hast, und gehe langsam zu deiner Bank. Lasse das Game soweit es geht hinter dir und nimm dir jetzt ausreichend Zeit, um dich zu beruhigen, abzutrocknen und zu trinken.

Phase 2: Entspannung und Analyse
STOPP!
Schalte nun deine innere Ampel bewusst auf ROT und richte es dir so ein, dass du dich körperlich und psychisch optimal erholen kannst. Einfache Atemübungen helfen dir dabei. Sorge dafür, dass du bequem sitzt. Lege dein Handtuch über deine Beine oder Schultern. Das hält während der Pause nicht nur deine Muskeln warm, sondern erinnert dich auch daran nun deine Entspannungsphase einzuleiten. Willst du dich von äußeren Ablenkungen stärker abschirmen, kannst du mit deinem Handtuch auch deinen Kopf bedecken. Schließe deine Augen, um deine Aufmerksamkeit ganz nach innen zu richten. Atme bei der Atementspannung einige Male tief und gleichmäßig durch die Nase ein und durch den Mund aus.
LOOK!
Sobald du die Entspannungsphase beendet hast, öffne wieder die Augen. Analysiere kurz, was passiert ist und überlege genau was jetzt taktisch zu tun ist. Dabei schaltest du deine innere Ampel auf GELB. Trockne dich ab, lockere im Sitzen deine Beine und trink noch einen kleinen Schluck. Lenke deine Gedanken voll und ganz auf deine weitere taktische Handlungsabsicht.

Phase 3: Aktivierung und Vorbereitung
GO!
Bringe dich jetzt, während du deine innere Ampel auf GRÜN schaltest, wieder in die optimale Leistungsbereitschaft. Richte deinen Körper auf und spanne ihn kurz an. Steigere deine Atem-frequenz. Mach einen kräftigen Atemstoß sowie ein paar Trippelschritte und stehe energie-geladen auf. Aktiviere dich auf der Stelle, nicke entschieden mit dem Kopf, ermutige dich und schreite entschlossen auf die andere Platzseite. Hänge an der Rückseite des Platzes im Zaun wieder dein Handtuch auf und bereite dich gedanklich auf deine unmittelbare Aktion vor.

Phase 4: Konzentration und Fokussierung
Wirf auf dem Weg zur Schlagposition einen Blick hinüber, um zu sehen ob dein Gegner oder deine Gegnerin schon bereit bzw. wie er bzw. sie positioniert ist und führe anschließend an der Schlagposition dein gewohntes Ritual (Aktivierung, Ball prellen, Visualisierung) durch.

Über den Author:
Martin Pauer

  • Lehrreferent für den ÖTV und die Bundessportakademie Wien
  • Staatlich geprüfter Tennistrainer und ÖTV Lizenz Coach
  • Sportpsychologischer Berater und Mentalcoach

  • Arbeitsschwerpunkte
  • Sportpsychologische und psychosoziale Beratung
  • Lehrreferent an der BSPA Wien und im ÖTV
  • Referenten Tätigkeiten (100% Sport, Sport Austria, Verbände, Vereine)

  • Persönlicher Hintergrund
    Menschen beim Erreichen ihrer persönlichen Lebensziele bestmöglich zu unterstützen war schon seit jeher die Motivationsgrundlage für die Wahl meiner beruflichen Tätigkeit. Nachdem ich mich schon sehr früh für die Psychologie und die Pädagogik interessiert habe und mit dem Leistungssport groß geworden bin, war es naheliegend, dass ich einmal in diesen Bereichen beruflich tätig sein würde.

    Für die vielen Begegnungen und damit verbundenen Lebenserfahrungen, die ich in den verschiedensten Themenbereichen sowohl als Berater als auch als Trainer, Erzieher und Betreuer junger SportlerInnen machen durfte, bin ich sehr dankbar. Sie haben mir ermöglicht, unterschiedlichste Sichtweisen kennen zu lernen und dadurch letztendlich auch mich selbst immer wieder weiterzuentwickeln.

    Mehr zu Martin Pauer unter http://www.pauer-coaching.at/

    Dieser Artikel ist ebenso im 'Power Tennismagazin' des Burgenländischen Tennisverbands erschienen. (https://www.tennisburgenland.at/der-btv/tennispower-magazin.html)